
Genau heute vor 100 Jahren, am 3. Oktober 1926, wurde die TMK Piesendorf gegründet. Ein besonderer Geburtstag – und ein guter Anlass, dorthin zurückzublicken, wo unsere Geschichte ihren Anfang nahm: bei Menschen, die sich Musik für ihr Dorf wünschten.
Wie viel Mut, Geduld und Zusammenhalt dafür nötig waren, erzählen die Aufzeichnungen unseres ersten Kapellmeisters Hans Heigenhauser. Im heurigen Musiblattl haben wir einen Auszug daraus veröffentlicht.
Der Wunsch nach einer eigenen Musikkapelle
Schon 1908 hatte die Feuerwehr eine Musikkapelle gegründet. Doch dieser erste Versuch endete 1911 mit ihrer Auflösung. Die Musik fehlte – und mit ihr ein wichtiger Teil des Dorflebens. Heigenhauser beschreibt es so:
„Es war so still und leer im Dorf ohne Musik, besonders bei Festen, Prozessionen und solchen Anlässen.“
Immer wieder halfen Kapellen aus den Nachbarorten aus. Doch in Piesendorf blieb der Wunsch, selbst zu musizieren. Die Bevölkerung wandte sich deshalb an Kriegervereinsobmann Rupert Kapeller und Oberlehrer Anton Hütter. Gemeinsam machten sie sich daran, einen neuen Anfang zu ermöglichen.
Ein Kapellmeister und mehr als 20 Anfänger
Die Suche nach einem musikalischen Leiter führte schließlich zu Hans Heigenhauser. Bei einem Treffen im Gasthaus Salader erklärte er sich bereit, die Aufgabe zu übernehmen.
Als er Ende September erneut nach Piesendorf kam, erwartete ihn ein fast voll besetztes Gastzimmer. Die angehenden Musikanten waren gespannt auf ihren Kapellmeister – und Heigenhauser fragte sich, wie viele von ihnen die anspruchsvolle Ausbildung durchhalten würden. Doch ihre Entschlossenheit machte ihm Hoffnung:
„An ihren Mienen las ich ab, dass sie alles dran setzen wollten durchzuhalten.“
Im Nebenzimmer lagen die Instrumente bereit, die in aller Eile aus Kaprun ausgeliehen worden waren. Nicht für jeden war eines vorhanden; fehlende Instrumente mussten erst vom Kriegerverein besorgt werden. Dann ging es ans Lernen: Über 20 Männer sollten gemeinsam und ohne musikalische Vorbildung ausgebildet werden.
Die ersten gemeinsamen Töne
Was mit viel Arbeit und einigen Sorgen begonnen hatte, trug schon wenige Monate später Früchte. Heigenhauser hielt fest:
„Am 19. Dezember 1926 konnten wir 3 Märsche und das ewig schöne Lied ‚Stille Nacht‘ auf Wunsch der Gemeinde am Kirchplatz zum Vortrag bringen!“
Bei der anschließenden Weihnachtsfeier im Gasthaus Salader wurden Kapellmeister und Musikanten bedankt. Auch Pfarrer Bernhard Fuchs unterstützte die junge Kapelle mit einer Spende. Die Musik hatte wieder ihren Platz in Piesendorf gefunden.
Eine Geschichte, die wir gemeinsam weiterschreiben
Heute, 100 Jahre später, dürfen wir weiterführen, was diese Menschen begonnen haben. Aus ihrem Wunsch nach einer eigenen Musikkapelle ist eine Gemeinschaft geworden, in der Generationen miteinander musizieren, Freundschaften entstehen und junge Menschen ihre Freude an der Musik entdecken.
Unser Dank gilt allen, die die TMK Piesendorf in diesen 100 Jahren begleitet haben: unseren Musikantinnen und Musikanten, ihren Familien, unseren Unterstützerinnen und Unterstützern und allen, die uns zuhören.
Alles Gute zum 100. Geburtstag, TMK Piesendorf! Auf viele weitere gemeinsame Jahre voller Musik.
Die Originalauszüge stammen aus den Aufzeichnungen von Kapellmeister Hans Heigenhauser, veröffentlicht im Musiblattl 2026, Seiten 20–21. Franz Dürlinger begann im April 1997 mit ihrer Abschrift.





